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Erfahrungsbericht zur Meade 416xt/416xte CCD-Kamera

Entgegen der häufig gegenteilig geäußerten Meinung, halte ich die Meade pictor 416 in ihrer Variante xt und xte für eine insgesamt gut CCD-Kamera, die den Anforderungen des CCD-Amateurs voll gerecht wird. Sie ist mit dem Kodak KAF400 bzw KAF401e (höhere Empfindlichkeit im blauen Spektralbereich) Sensor ausgestattet und verfügt über 9ym grosse quadratische Pixel in der Dimension 716*512.           

                               

pictor416
Geliefert wird die Kamera von Meade incl. Auto-guider pictor 201xt, off-axis-guider und IR-Sperrfilter sowie zweier Okularhülsenverlängerungen inclusive Klemmringen zur Fixierung des Fokus beim Off-Axis-Okular. Ein Okular wird für diesen Zweck allerdings nicht mitgeliefert. Die beigefügte Software besteht aus einem Steuerungsprogram (PictorView) mit einfachen Bildbearbeitungstools und einem nicht mehr zeitgemäßen Bildbearbeitungsprogramm (Meade-IP2000). Angesteuert wird die Kamera entweder über eine SCSI oder serielle- Schnittstelle an einem Notebook, Laptop oder Desktop. Für die SCSI-Verbindung ist am Notebook/Laptop eine separate PCMCIA-Karte erforderlich (z.B. Adaptec 1480A ist zu empfehlen. die 1460B funktioniert bis Pictorview 6.45 ebenfalls. Für die “höhere” Software z.B. auch MaxIm DL CCD ist jedoch die schnellere 1480A zwingend erforderlich). Zwischen Computer und Kamera wird eine Steuerbox geschaltet, die einige interne Funktionen besitzt (wie z.B. Regelung der magnetischen Kraft für das Schliesen oder Öffnen des mechanischen Shutters). Für den Betrieb der Kamera selbst, übt sie aber keine Funktionen aus, die vom Bediender zu manipulieren wären. Die Kamerasteuerung erfolgt komplett über die Software auf PC oder Notebook.

Der Verschluss ist elektro-mechansich und eine der Schwachstellen der Kamera in ihrer alten Veriante. Das häufig bemängelte, da locker sitzende Verbindungskabel zwischen Kamerakopf und Steuerbox, das sich bei einigen usern wohl immer wieder von selbst aus dem Kamerakopf gelockert hat (vorzugsweise kurz vor Ende der Integrationszeit von 30 Minuten versteht sich), hat mir selbst bisher noch nicht einmal Schwierigkeiten verursacht oder den Dienst versagt. Der Stecker des Kabel der xte ist auch in einem  Winkel > 90° zum Kabel angebracht, so dass dadurch eine leichte Querspannung des Steckers entsteht, die wohl das herausruschen verhinden soll - besser wäre sicherlich eine schraubbare Verbindung ähnlich der SBIG-Lösung. Wickelt man das Kabel aber z.B. einmal um den Kamerakopf sitzt es fest im Kamerakopf.

Eine der Hauptschwierigkeiten der CCD-Fotografie für den Einsteiger/Anfänger ist es, das Objekt der Begierde auf die vergleichsweise kleine Fläche des CCD-Chip´s zu bringen und den Fokus für des Bild zu finden. Hierfür ist ohne Einschränkung ein Flip-Mirror zu empfehlen. Der kostet zwar nochmal zwischen 180 EUR und 260 EUR, führt dafür aber schnell zum Erfolg. Die Konstrukteure von Meade haben es sich so gedacht, dass eine f25-Meade-Okular im Off-Axis-Guider den richtigen Fokus für die CCD bringt. Bis aber so das Objekt auf dem Sensor oder gar in der Mitte des Chips landet, ist man meschugge. sicherlich nicht einer der letzten Gründe, wieso Meade zwischenzeitlich einen eingenen Flip-Mirror anbietet
Die Kühlung der Kamera erfolgt frei regelbar über ein Peletier-Element und soll ein Delta von 40° unter Umgebungs- temperatur bringen und auf +/- 0,1°stabiel sein. Diese Technik bringt in der Praxis, bei einem sich kontinuierlich erwärmenden Kameragehäuse, ein effektives Delta von ca. 30° im Sommer, wobei im Winter deutlich bessere Wert erreicht werden. Eventuell könnte ein kleiner PC-Lüfter hier noch Vorteile bringen - das wäre noch zu testen. Zu bemerken ist, dass sich der neue KAF401e zu mindest in meinem Fall durch einen nochmals geringeren Dunkelstrom auszeichnete. Ebenso wie die Chip-Qualität insgesamt (cool/hot-pixel) besser ist.

Mit der Pictor war es mir bereits bei den ersten Versuchen möglich, verwertbare Bilder zu bekommen. Etwas, was für den CCD-Einsteiger wohl selten vorkommt (so ist zumindest zu lesen) und womit ich nach allem was ich im Vorfeld gelesen hatte, auch nicht gerechnet hatte.

Der Auto-giuder pictor 201xt ist eine Sache für sich. Hier gilt das motto “hate it or love it”. Es gibt Leute, die mit dem Ding bestens zu recht kommen und hervorragende Ergebnisse erzielen (Ich schätze diesen Anteil auf max 20%). Ich selbst habe es mit der Sinus II nicht auf die Reihe bekommen, dass er das auto-guided, was ich wollte. Hier bietet m.E. der Autoguider von OES eine gute Alternative

Soweit gibt es für mich keinen Grund, zu dieser Kamera nicht zuzuraten besonders auch dann, wenn man das Preisniveau zu anderen Kameras mit dem KAF400-Chip bzw. KAF401e vergleicht. Echte neue Konkurrenzten scheinen preislich die LISÄÄ-CCD´s von Apogee zu sein.

        Erfahrung mit Meade / Astrocom Kundenservice

Mit der ersten Kamera dieses Typs hatte ich in den ersten Monaten keine Schwierigkeiten, bis sich der Shutter verabschiedet hatte. Die Kamera mußte zur Reparatur. Die wurde zwar vollständig im Rahmen der Garantie ausgeführt, dauerte aber acht Wochen, da seinerzeit das lebenswichtige Gas zum Befüllen des Kamerakopfes, das ein Beschlagen durch Feuchtigkeit im Innren verhindert ausgegangen war. Neulich war zu lesen, dass ein Amateur seine Kamera selbst geöffnet hatte, um sie zu entfeuchten, was natürlich in die Hose ging - er hätte wohl besser jemanden gefragt, der sich damit aus kennt, da wäre er geholfen worden :-). Etwa vier Monate später trat der gleiche Defekt wieder auf. Wieder gab es keinerlei Schwierigkeiten die Kamera auf Garantie zu reparieren und zwar diesesmal innerhalb von 10 Tagen.

Aber es kam, wie es wohl kommen mußte. Der dritte Defekt des Shutters stellte sich ein. Nach insgesamt einem Jahr seit Kauf der Kamera. Zwischenzeitlich war der Modellwechsel auf die pictor 416xte bereits gelaufen. Zwar hätte man die Kamera ein drittes mal auf Garantie repariert und zwar durch kompletten Tausch der Innereien des Kamerakopfes aber dieses mal hätte sie die Heimat ihrer californischen Berge wieder gesehen, was ca. zwei bis drei Monate gedauert hätte, bis sie den Weg an den Fuss der schwäbischen Alb wieder gefunden hätte. Eine nochmalige Nachbesserung wäre auch für mich nicht in Betracht gekommen. Von Astrocom wurde mir angeboten ein Tausch der Kamera gegen das neue Modell 416xte und einen Aufpreis von ca. DM 800,-- vorzunehmen oder die Kamera zurückzugeben. Auch wenn, mir die erste Lösung gut gefallen hat und auch von mir gewählt wurde, hat der ganze Vorgang doch insgesamt 8 Wochen gedauert, bis ich wieder eine Kamera hatte, die dann allerdings nochmals getauscht werden musste, weil vermutlich der A/D-Wandler defekt war.

Sieht man von der langen Zeit, die aber wiederum nicht so lange war, wenn man bedenkt, dass es gerade mal 4 Beobachtungsnächte in diesen acht Wochen gab, einmal ab, kann ich über den Kundenservice, den man bei Astrocom gepflegt hat, nicht klagen. Die Ergebnisse der Kamera selbst, sind in der Bildergalerie zu sehen.

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