bigdipper@bigdipper.de

Big Dipper’s Home

Das Equipment wird in 4 Kartons (Dreibein, C11-Tubus, CI700-Montierung und Kleinteile (Sucher, Gegengewicht, Handsteuerbox usw.) ausgeliefert. So verpackt, ist es eben noch möglich das Ganze ggf. selbst bei Händler abzuholen, sofern man über einen ausreichend langen (ca. 1,70m) und genügend hohen (ca. 1,00m) Laderaum verfügt.

Das Dreibein, das entgegen einiger Werbeaussagen nicht höhenverstellbar ist, ist aus einer massiven Alurohrkonstruktion, die durch ein GFK-Spreizkreuz einfach aber überaus effektiv zu einem sehr soliden Unterbau für die Montierung wird. Das Spreizkreuz bietet eigentlich eine hervorragende Möglichkeit, um eine Ablageplatte zu tragen, aber daran haben die Konstrukteure, die sonst viel Liebe zum Detail zeigen, wohl nicht gedacht oder das Ablagetischchen ist ein Opfer der Kosten geworden (Abb.2).  Für den Einzelnen ist es allerdings sicherlich kein Hexenwerk sich für EUR 2,-- eine 6mm Sperrholzplatte 30cm x 30cm zu besorgen, mit einer Mittelbohrung von 12mm zu versehen und auf das Dreibein anzupassen und etwas schwarze Farbe hat ohne hin jeder Hobby-Bastel-Astronom im Keller.                           

Die Montierung CI700) vermittelt bereits optisch den Eindruck von Stabilität und kommt mit den ca. 11kg des C11 sowie entsprechendem Zubehör und CCD von nochmals 2-3kg spielend zu recht. Das mitgelieferte Gegengewicht ist ausreichend, um diese Gesamtmasse in der Balance zu halten. Bei der Variante CM1400 dürfte die Montierung mit dem 1,6-fachen des Tubusgewichts jedoch sicherlich an die Grenze ihrer „schwingungsfreien“ Tragfähigkeit stossen. Verbunden sind Dreibein und Montierung über ein sehr massives Aluminiumrohrstück, das gleichzeitig das Kontrollpanel trägt und mit insg. sechs kräftigen Inbuss- schrauben Dreibein und Montierung zusammen hält. Vom Kontrollmodul werden in neun verschiedenen Geschwindigkeiten die beiden unhörbaren Motoren der Montierung angesteuert. Über die separate Handsteuerbox besteht die Möglichkeit entsprechende Korrekturen vorzunehmen, wobei durch die Platzierung der Auto-Guider-Buchse in die Handsteuerbox während des Autoguiderbetriebs manuelle Korrekturen weiter uneingeschränkt möglich sind. (Abb.3)

Völlig unabhängig von der motorischen Nach- führung besteht standardmässig die Möglich- keit eine manuelle Feinbewegung vorzunehmen. Die entsprechenden Stellschrauben befinden sich unmittelbar am Schneckenrad und sind über eine Kupplung geklemmt (Abb. 3). Abbildung 4 zeigt die Montierung mit den optionalen digitalen Teilkreisen sowie einer Variante des NGCmini

Wer das Gerät nicht fest installiert und vielleicht schon mit der Vixen-GP-Montierung Erfahrungen gesammelt hat, wird vom Polsucher der CI 700 eher enttäuscht sein. Zwar ist auch dieser sehr massiv und präzise gearbeitet, allerdings entgegen einiger Werbeaussagen nicht beleuchtet und wenn er, so wie in meinem Fall, bis auf die letzte Schraube komplett zerlegt geliefert wird, auch nicht justiert. Eine eigene Justierung des Polsuchers ist aufgrund der Anordnung der Justierschrauben praktisch nicht selbst möglich (Abb. 5).

Zwar ist in der Montierung eine Dosenlibelle eingelassen, da die Standbeine des Dreibeins aber nicht höhenverstellbar sind, ist eine Positionierung der ganzen Angelegenheit auf den Himmelspool nur durch Änderung der Polhöhe selbst möglich, sofern man nicht nachträglich mit Schrauben und Schweiss- arbeiten Abhilfe schaffen will oder das ganze mit kleinen Holzplättchen löst. Noch besser ist hier eine sehr schöne Verbesserung, die von Werner Turek gebaut wird und das Stativ erstens bombenfast und zweitens sehr feingängig nivelliertbarmacht. Eine azimuthale Verstellmöglichkeit besteht im Bereich von +/- 7°, die bombenfest klemmbar ist. Die Montierung ist zur Aufnahme von digitalen Teilkreisen vorbereitet verfügt aber über 5 ¼“ grosse und gut ablesbare lasergravierte Teil- kreise, die in RA sogar über einen kleinen Nonius verfügen (Abb. 6). 

Alles in Allem lässt die Montierung meines Erachtens keine Wünsche in der Frage der Stabilität, Präzision und handwerklichen Verarbeitung offen. Der Einzelpreis beträgt ca. DM 6.300,--. 

C11  Optik / Tubus

Geliefert wird der Tubus in einer echten Piratenschatztruhe aus Holz mit messingfarbenen Beschlägen und zwei Tragegriffen. Die Kiste weist noch solche Dimensionen auf, dass sie von einem etwas breiter gebauten Menschen für einen Transport z.B. im Auto Verwendung finden kann, so dass der Tubus optimal geschützt bleibt.

Der Strehl-Wert wurde mit ca. 93% ermittelt. Das gemessene Auflösungsvermögen von ca. 0,6“ (theoretisch bei 0,41“), wurde auch am Stern nachvollzogen. Das intra/extrafokale-Beugungsbild zeigt, dass der Spiegel in den Randbereichen nicht völlig auskorrigiert wurde, was sich auch im Interferenzbild bestätigt. Das Abblenden der Optik auf etwa 10 Zoll bringt eine merkliche Steigerung der Schärfe. Insgesamt kann man sicherlich von einer guten, wenn auch nicht Spitzenoptik sprechen, die in den meisten Regionen Europas in der Regel durch die Seeingbedingungen ihre Grenzen finden dürfte.

Speigelshifting tritt leider auch bei diesem, mit ca. DM 7000,-- sicherlich nicht in der unteren Preisklasse liegenden, Teleskop auf. Bei dem von mir erworbenen Gerät bewegt sich dies im Bereich von bis zu ca. 70- 80“, was sich allerdings deutlich verringerte als das unter beschriebene Problem gelöst war. Die ultimative Lösung für das Spiegelshifting zeigt Abbildung 9. Dort findet der sonst an meinem Dobson treue Dienste leistende Feather Touch Focuser seinen Einsatz

Unangenehm und auch nicht nachvollziehbar, war die Justieranfälligkeit des Gerätes. Obwohl wie üblich, nur über die drei Halteschrauben des Fangspiegels justiert werden kann, musste häufig und z.T. erheblich nachkollimiert werden und das, obwohl das Gerät keiner Erschütterung ausgesetzt war, sondern lediglich eine Temperaturveränderung von ca. 20° über 3-4 Stunden ertragen musste, was einer normalen Beobachtungsnacht im Sommer entspricht. Ein Transport von ca. 10km dejustierte das Gerät komplett, was Angesichts der raren Beobachtungsnächte und des chronischen Zeitmangels für das Hobby ärgert.

Bezogen wurde das Gerät über einen Zwischenhändler von Photo-Universal in Stuttgart in der Grundausstattung, die den 9x50 Sucher, ein Zenitprisma und das übliche f25-Einsteiger-Okular enthält. Den Sucherhalter wird vermutlich jeder durch einen gängigen abnehmbaren Halter tauschen. Ob man für das f25-Okular Verwendung hat oder nicht, muss jeder selbst wissen. In der Regel dürften die Käufer solcher Geräte bereits einen grösseren Fundus an Okularen dieser Brennweite besitzen. Wünschenswert wäre sicherlich ein deutsches Handbuch.  Nachdem ein anderer Sternfreund einen Anhaltspunkt für die Ursache der ständigen Dejustage  geben konnte, nämlich ein loser Hauptspiegel,  wurde das Gerät on Baader Planetarium untersucht und im Rahmen der Garantie anstandlos, schnell und ohne weitere Anstallten repariert.

Als Fazit: Die Kombination von Montierung und C11-Tubus ist in der Abstimmung gelungen. Ob eine Optik für nahe zu 3500,-- EUR noch Wünsche des Perfektionisten offen lassen darf, muss zunächst jeder für sich, aber sicherlich auch die Händler uns beantworten!

 

CI 700

CI700-Füsse1

Abb1

Abb 2

Abb 3

Abb 4

Abb 5

Abb6

Abb 7

Abb 9

CM1100-ST2K

zurück zum Equipmentverzeichnis